Das Prädikat „Made in Germany“ überzeugt viele Menschen durch seine Qualität. In den 90-er und 00-er Jahren haben allerdings viele Unternehmen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert. Der ausschlaggebende Grund, in Billiglohnländern zu produzieren, lag vor allem in den niedrigeren Produktions-und Lohnkosten. Die Folge war ein teilweiser Stellenabbau in deutschen Unternehmen.

Der Trend zur Auslagerung, vor allem nach Asien, scheint nun aber rückläufig zu sein, wie Prof. Dr. Steffen Kinkel in der Sendung Galileo (https://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/2019313-montag-ist-made-in-germany-wirklich-besser-ganze-folge, 7:30-20:58) erläutert. Ein Drittel der Firmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagert haben, entscheidet sich jetzt wieder für „Made in Germany“. Hierbei stellen sich drei grundsätzliche Fragen: Wie kann sich das „Reshoring“, also die Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland, für die Firmen lohnen? Welche Bereiche der Industrie betrifft das Reshoring und wer profitiert letzten Endes davon?

Der Festnetz- und Smartphonehersteller „Gigaset“ aus Bocholt produziert komplett in Deutschland, denn die Endprodukte aus China waren häufig fehlerhaft zurückgekommen. Es waren Nacharbeiten notwendig, welche erhebliche Mehrkosten verursacht haben. Seit die Smartphoneproduktion vor Ort durchgeführt wird, ist die Produktion quasi fehlerfrei, Nacharbeiten sind nicht mehr nötig.

Probleme mit der Produktion aus Fernost kennen viele deutsche Unternehmen. Nach Prof. Kinkel verlagern 500 Firmen jährlich Teile ihrer Produktion nach Deutschland zurück. Ein wichtiger Grund ist das Qualitätsversprechen der Unternehmen, die oftmals Qualitätsführer im Markt sind, denn „wer mit Qualität wirbt, muss diese auch anbieten“. Ausländische Lieferanten können solch eine stabile Qualität, wie sie von deutschen Qualitätsführern gefordert wird, häufig nicht garantieren. Kommt es zu Qualitätseinbußen, reagieren diese Unternehmen recht sensibel.

Die Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland kann sich trotz höherer hiesiger Lohnkosten durch Vorteile der Automatisierung, Geschwindigkeit und Individualisierung lohnen. In Hightech-Branchen können intelligente Maschinen, Roboter und Assistenzsysteme in Kooperation mit den Mitarbeitern große Teile der Arbeit übernehmen, sodass die Lohnkosten nicht mehr so stark ins Gewicht fallen. Außerdem sind die Endprodukte durch kurze Transportwege schneller beim Kunden und schonen die Umwelt. Individualisierte Produkte können bei aktuellen Trends schneller und flexibler produziert werden, was insbesondere bei Nischenprodukten ein wesentlicher Faktor ist.

Letztlich kann man festhalten, dass sich dank intelligenter und digital vernetzter Produktionstechnologien (Industrie 4.0) und Robotik die Produktion im eigenen Land lohnt. Dies trifft vor allem auf Hightech-Branchen zu, weil die Firmen hier das nötige Know-How vor Ort haben. In der Bekleidungsindustrie und überall dort, wo viel Handarbeit notwendig ist, wird die Produktion jedoch wohl weiterhin eher in Asien oder nach Osteuropa angesiedelt.