Durch die Coronakrise haben viele Unternehmen erfahren, was es bedeutet, von globalen Lieferketten abhängig zu sein. Die Globalisierung hat zwar viele Vorteile, auf welche zahlreiche Unternehmen nicht ganz verzichten können, dennoch ist es wichtig, lokale Strukturen zu stärken, um Krisen künftig besser zu verkraften. Der Trend bewegt sich hin zu einer neuen Mischform namens Glokalisierung.

Bislang haben Firmen ihre Produktion häufig ins Ausland verlagert (sog. Reshoring), was vor allem am Beispiel der Medikamentenknappheit in der Coronakrise spürbar wurde. Aus Angst vor einem erneuten Seuchenrisiko durch den weltweiten Handel und einem damit einhergehenden wirtschaftlichen Einbruch, stellt Prof. Dr. Kinkel schon länger die Tendenz fest, dass ein Drittel der im Ausland produzierenden Firmen ihre Fertigung wieder zurück ins eigene Land führen. Damit möchten diese ein höheres Maß an Kontrolle, Sicherheit und Flexibilität gegenüber aktueller Marktveränderungen und Kundenwünsche gewinnen, auch wenn dies höhere Kosten bedeutet. Höhere Kosten könnten jedoch mithilfe von Robotik minimiert werden, denn sie seien nicht anfällig für Krisen.

Den Firmen sei zudem bewusster geworden, dass sie in Märkten aktiv und von deren Mechanismen abhängig seien. Um davon unabhängiger zu werden, sei es nun das Ziel, die Fertigungstiefe, also die Fertigung im eigenen Haus, zu erhöhen. Die Firma Aesculap aus Tuttlingen hat beispielsweise eine Fertigungstiefe i.H.v. 65%, was es ermöglichte, den Kunden auch in der Krisenzeit eine hohe Flexibilität und Qualität zu gewähren.

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Kinkel bleibe Deutschland Exportland, gleichwohl müsse die zukünftige Produktion mehr im regionalen Markt stattfinden, da sich eine glokal organisierte Wirtschaft auszahle, wenn es einmal „nicht so laufe wie geplant“.

Hier gelangen Sie zum Sendebeitrag von Galileo: https://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/2020175-glokalisierung-der-wirtschaftliche-wunsch-nach-sicherheit-clip