Welches Wissen und welche Kompetenzen gilt es zu erwerben, wenn rund um den Menschen die Arbeit digitalisiert und automatisiert wird? Welche Arten und welche Formen von Arbeit werden wir insbesondere hier in Deutschland zukünftig erleben? Kommen durch Digitalisierungstechnologien verloren geglaubte Arbeitsplätze zurück? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Prof. Dr. Steffen Kinkel, Wirtschaftswissenschaftler Dirk Wagner von der Karlshochschule International University und Theologe Alexander Weihs von der Pädagogischen Hochschule Anfang November beim Wissenschaftsdienstag der Veranstaltungsreihe EFFEKTE.

Dabei referierte Steffen Kinkel über die Rückverlagerung von Produktionsprozessen nach Deutschland. „Es wird nicht mehr nur dort produziert, wo es am günstigsten ist. Sondern dort, wo auch die Kunden sitzen“, prognostizierte der Professor der Fakultät für Informatik und Wirtschaftsinformatik. Nach seiner Einschätzung sorgt die Digitalisierung künftig in Deutschland für noch mehr Arbeitsplätze.

Laut Kinkels Studie „Bringt die Digitalisierung die Produktion zurück nach Deutschland?“ sind unter Anderem auch die Qualitätsprobleme bei der Herstellung von komplexen Bauteilen im Ausland Gründe für eine Rückverlagerung. Die Zeit, bis die aus anderen Kulturkreisen stammenden Arbeiter und Arbeiterinnen entsprechend eingelernt sind, „will sich kaum jemand mehr nehmen“, so Kinkel.

Um die Kosten der Produktion in Deutschland weiter zu senken und die Qualitätsstandards gleichzeitig zu erhöhen, muss nach Kinkels Einschätzung allerdings die Digitalisierung in der Produktion weiter vorangetrieben werden. Zu der Tatsache, dass die Industrie 4.0 bei fast der Hälfte der deutschen Betriebe noch nicht angekommen sei, komme die Sorge, dass die Digitalisierung in ferner Zukunft den Menschen in den Produktionshallen die Arbeit wegnehme. Kinkel sieht darin allerdings keine Bedrohung. Das Hauptproblem in der Produktion sei derzeit vor allem der Fachkräftemangel. Um die künftigen Herausforderungen der Industrie 4.0 als Schnittstelle zwischen Maschinenbau und Informatik zu meistern, müssen die Studierenden heute bereits deutlich interdisziplinärer aufgestellt werden.